Das Leben lieben – das Sterben suchen

If the ocean was whiskey, and I was a duck,
I’d dive to the bottom and never come up.

Bill war schon ein paar Wochen unterwegs und in regelmäßigen Abständen wechselte sein Gewinnerlächeln sich ab mit dem gequälten Versuch, seine Mundwinkel in einer waagerechten Linie zu halten. Schnaps war seine vorübergehende Lösung. Peanut Barrell bis Rye Whiskey – in seinem Kopf jaulte die Textzeile zum dreihundertsten Mal – , bis er fremde Menschen ansprach und er eine Weile seine Bedeutungslosigkeit ausblenden konnte. An diesem Abend hatte er aber keine Gelegenheit dazu, denn plötzlich saß neben ihm diese kleine Frau. Sie sprach nicht und sah ihn auch nicht an. Zögerlich, dann mit wachsender Neugier versuchte er, kurze Augenblicke von ihr zu erhaschen, ohne dass sie es bemerken würde. Er war noch nicht im richtigen Grad der Betrunkenheit angekommen, um sich ohne hastige schwitzige Hände bei ihr vorzustellen.

„He, du. Hör mal, ich hab ein Zimmer die Straße runter. Willst du mitkommen?“ Sie sprach, zu seiner Verwunderung von ganz allein, das waren ihre Worte und er hatte sie immer noch im Ohr – nicht zuletzt, weil sie sie hin und wieder anwandte. Mal für ihn, mal nicht für ihn.
An dem Abend willigte er ein. Er wollte sie schließlich betrachten. Für eine Hure war sie zu schlicht und wenig aufreizend gekleidet. Die Aufregung war ihm in den Nacken gekrochen, als sie hinter ihm durch die Tür schritt und er einen Moment im Dunkel verschwand. Es stellte sich heraus, dass ihr Schmollmund und ihre dunklen Kulleraugen ihn genau da trafen, wo er verwundbar war. Auch jetzt hatte er noch immer das selbe Gefühl, wenn er sie betrachtete. In dieser Nacht, bevor es wirklich hell werden konnte, hatte er sie gefragt.

„Kommst du mit?“ Sie pustete den Rauch an die Zimmerdecke, aber sie versuchte nicht, Zeit zu gewinnen. Sie nahm sich nämlich sowieso immer alle Zeit der Welt.
„Ich erzähle dir nichts über mich, was vor 1967 passiert ist und du wirst mich nicht fragen.“
„Hast du was ausgefressen?“
„Ich hab’s für Geld gemacht. Alles andere ist egal.“
„Also?“
Sie betrachtete ihn herausfordernd aus fast schwarzen kreisrunden Abgründen.
„Deine Brieftasche ist noch da und ich auch.“ schnurrte sie.
„Und?“ Würde sie ablehnen, würde er verschwinden.

„Einverstanden.“ Hastig atmete er ein. Erst jetzt hatte Bill kapiert, was gerade wirklich passiert war. Er befreite sich aus ihrem Arm und zog sich halbherzig an. Die dunkle Jeans hing offen auf seinen Hüften, die Gürtelschnalle klimperte.
„Für ne‘ Nutte warst du aber ganz schön zimperlich.“
„Wie heißt du?“ fragte sie nonchalant. Sein Blick hing auf seiner Geldbörse. Er könnte ihr die Hälfte seiner Scheine in die Hand drücken und sich weiter betrinken. Draußen machte sich allmählich der neue Tag breit. Er würde grau und dunkel werden und Bill war sich sicher, dass er ihn nicht überstehen würde. Süßlich schlich sich ihre Stimme in seine Gedanken. „Ich bin Danielle. Freut mich au-“

„Bill.“ fiel er ihr hastig ins Wort. Wenn er jetzt noch ein Mal in ihre Augen sah, würde er für immer bei ihr bleiben müssen. Noch wanderte sein Blick über den Parkplatz, den Asphalt, der sich allmählich auflöste, die zerbeulten Autos und die sterbenden Bäume. Er seufzte ein Seufzen, dass diese ganze beschissene Welt und ihre Niedertracht in sich trug und dann drehte er sich zu ihr um.
Dunkel umrandet, tiefes Braun, immer ein bisschen müde, aber stets wissend und voll von diesen Geheimnissen; und manchmal nur für ihn, sich zierende Unschuld. So schaute sie aus ihren Augen zurück.

„Ich will noch heute über die Grenze. Es wird regnen.“

Sie sank erleichtert zurück in die Kissen und ihr Körper verschwand fast vollständig unter den dünnen Laken. Sie hatte ihn nie gefragt, wo er überhaupt hin wollte und es war ihr auch nicht wichtig. Sie hatte in ihm jemanden gefunden, der gute Gesellschaft bot und das war wichtig. Das hatte sie schon in dem Diner mit sich ausgemacht, als sie mit prüfendem Blick durch die Tür schritt und Bill das erste Mal auch nur erblickt hatte. Für einen Mann der ihr wirklich gefährlich werden könnte, war er zu schmächtig, aber sicherlich immer noch stark genug, sie im betrunkenen Zustand ins Bett zu tragen. Außerdem gefiel ihr, dass sein Hemd völlig sorglos aus der Hose hing. Dieser Typ gab sich gar keine Mühe. Erschöpfte Augen hatten missmutig aus seinem unrasierten Gesicht in das Glas, das vor ihm stand, gestarrt. Er war sicherlich kein Poet oder Schöngeist, aber dieses Bild brannte sich in ihre Erinnerung an ihn. Sollte er sich als nicht geeignet herausstellen, würde er trotz allem mit Sicherheit ein gelungenes Abenteuer abgeben.
Stunden später hatten sie die Grenze passiert.

Sie lag neben ihm auf dem Bett. Seit drei Tagen war er bei jeder Gelegenheit vertieft in dieses bescheuerte Buch und sie verglühte fast. Doch auch als sie sich räkelte und theatralisch seufzte, bemerkte er nichts davon. Es war zum Schreien und genau jetzt würde ihr doch ein bisschen Liebe gut tun. Bill hatte sich einigermaßen damit arrangiert, dass sie öfter über ihn herfiel, als er über sie. Um ehrlich zu sein, schmeichelte es ihm sogar. Das erhebende Gefühl war aber nur von kurzer Dauer, denn ihre Gier bedeutete leider auch, dass sie nicht nur für ihn da war.
Langsam und bedeutungsvoll bewegte sie sich aus dem Bett, vielleicht ließ sich doch noch etwas ausrichten.
„Ich gehe duschen.“ Er schaute über den Rand des Buches hinweg, beobachtete sie.
„Ich kann jetzt nicht.“ entgegnete er trocken. Das war ihr doch egal. Dann suchte sie sich halt jemanden, der sie wertschätzte. Trotzig schnappte sie sich das Handtuch von der Stuhllehne. Jetzt jemanden zum Ficken zu finden, würde unheimlich viel Nerven kosten. Es war anstrengend. Das war es immer.
Tatsächlich wirkte der kalte Schauer ein wenig und holte sie aus ihrer umwolkten Gedankenwelt.
Ein letztes Mal würde sie ihn bitten.
Nackt schlich sie sich zu ihm. Es war ein Spiel, dass sie manchmal mit ihm spielte. Sie konnte an seinen Augen sehen, dass er nicht wirklich las, sondern nur auf die Seiten starrte. Vielmehr horchte er nach ihr und dem, was sie vor hatte.

Unisono legte er das Buch beiseite und sie sich auf ihn. Ihre nassen Haare tropften auf sein Hemd und hinterließen ein feucht kaltes Gefühl auf seiner Haut. Ihr Körper strahlte Hitze durch seine Kleidung und das Gewicht, mit dem sie ihn aufs Bett drückte, berührte ihn immer. Aber nicht jetzt. Mit zarten Fingern schob er ihr Haarsträhnen aus dem Gesicht und bei dieser Berührung starrte sie ihn verständnislos an.
„Nicht das.“ hauchte sie und zog sich widerwillig zurück. Zärtlichkeiten waren jetzt völlig falsch. Das machte nur traurige Gedanken. Sie krallte sich in sein Hemd, während sie ihm einen Kuss aufzwang.
„Ich habe nein gesagt.“ Er drehte den Kopf zur Seite und ehe er sich versah, war sie aufgesprungen und zog sich an.
„Dann gehe ich jetzt.“ Die Worte fielen einzeln vor ihr zu Boden. Jedes war schwer.
„Ja, geh. – Vielleicht legt dich mal einer um.“ Er nestelte an der Tasche auf dem Nachttisch und zündete sich eine Zigarette an. Sie hatte sich die Haare hastig hochgesteckt.
„Ja, vielleicht. Wenn du es nicht machst.“, murmelte sie mit einer Haarnadel zwischen den Lippen, den Blick konzentriert gesenkt.
„Du könntest viel Geld verdienen. Warum hast du damit überhaupt aufgehört?“
„Arschloch.“ Mit einem Knall fiel die Tür ins Schloss. Hätte er doch nur gewusst, dass sie sich manchmal auch bezahlen ließ, vielleicht hätte er dann Verständnis gehabt. Bill war schrecklich einfach – ein Romantiker und auch wenn er es niemals zugeben würde, wusste sie, dass er sich manchmal nichts inniger wünschte, als ein sicheres vorhersehbares Leben.
Er würde dort liegen, bis sie zurück kam, weil er sich nicht rühren konnte, mit den Bildern im Kopf, weil er Angst davor hatte, dass sie einmal nicht zurück kommen würde.
Später würde sie ins Bett gekrochen kommen und so tun, als sei nichts passiert. Sie würde nach Sex riechen und vielleicht würde sie sogar weinen. Das tat sie manchmal, wenn sie weg war. Er nahm sie in den Arm, egal was vorher passiert war.

„Bill! Wir müssen abhauen. Pack deine Sachen.“ Stockend wurde er wach und die Worte, die sie ihm entgegen geschleudert hatte, kamen erst bei ihm an, als er sie aus verschlafenen Augen einen Moment fragend anstarrte. „Was?“ Sein Hals war schrecklich trocken und er fühlte sich fiebrig.
„Wir können nicht bleiben.“ drängte sie beharrlich weiter, während sie umherlief und wahllos eine Bluse, Kleider und Schuhe in eine Tasche stopfte.
„Hat dir einer was getan?“ Früher oder später musste es ja mal passieren. Dreckskerle gab es schließlich genug. Manchmal konnte auch er sich nicht davon ausnehmen.
„Jetzt lieg da nicht so rum.“ fauchte sie. Wie konnte er nur so langsam sein? Ihm flog seine Jeans entgegen. „Wenn es einer mitbekommen hat.“
„Was mitbekommen?“ Und plötzlich sprudelte es mit unheimlichem Wahn aus ihr heraus.
„Ich glaube, ich hab den Wichser umgebracht, Bill!“ Schneller als sie sich jemals hatte vorstellen können, war er vollständig bekleidet, mit der Tasche in der einen und ihrer Hand in der anderen auf dem Weg zum Auto.
„Du erzählst mir alles. Und ich schwöre es dir, Danielle-“ Er warf die Tasche auf den Rücksitz und sah sie über das Autodach fest an „- wenn du mich wieder anlügst, schwöre ich bei Gott, schmeiß ich dich unterwegs raus.“
„Aber-“
„Steig ein, verdammt nochmal.“
Die Reifen drehten kurz auf dem Schotter durch und der Motor heulte auf, bevor sie das Motel hinter sich ließen.
„Ich höre.“ knurrte er. Seine Hände umklammerten das Lenkrad. Er sah sich nicht um, starrte angespannt auf die Straße. Sie saß stumm neben ihm, rührte sich nicht und versuchte, möglichst teilnahmslos zu wirken. Sie hatte es ja selber kaum geglaubt. Kurz fragte sie sich, ob sie es sich nur eingebildet hatte.
„Er war scheiße zu mir.“ Irgendetwas in ihr war ein Filter, der das Chaos in ihrem Kopf davor bewahrte, sich aus ihr heraus zu ergießen und ihre Mitmenschen zu ertränken.
„Das wars? Er war scheiße zu dir? Mehr willst du mir nicht sagen?“ Sie waren eine halbe Stunde durch die Dunkelheit gefahren, als er den Wagen ausrollen ließ, sich über Danielle hinweg beugte und die Beifahrertür aufstemmte.

„Raus.“

„Bill?“

„Raus.“

Ohne ihn auch nur anzusehen nestelte sie kurz an ihrer Handtasche und stieg aus dem Wagen. Dann schlug sie die Tür zu. Eher wäre sie gestorben, als jemals mit jemandem über die Sachen in ihrem Kopf zu sprechen. Klug war das nicht, was sie hier veranstaltete, aber sie hatte sich schließlich schon vor ihm alleine durchgeschlagen. Das hier war nur eine vorübergehende Niederlage. Bill hielt einen Augenblick inne, bevor er erneut Gas gab und ohne die kleine Frau in der Nacht verschwand. Die Rücklichter flackerten rot und unheilvoll. Es würde schon gehen. Es musste gehen. Entschlossen setzte sie sich in Bewegung. Die letzten Stunden verschorften ziemlich rasch. Dass sie jemandes Leben ausgelöscht hatte, traf sie herzlich wenig. Er hatte es schließlich verdient und Menschen hatte sie schon öfter sterben sehen. Kurz fragte sie sich, wann sie so abgebrüht geworden war, aber es wollte ihr nicht mehr einfallen.

Jack of diamonds, jack of diamonds, I’ve known you of old,
You’ve robbed my poor pockets of silver and gold.

Danielle konnte in diesem Moment nicht wissen, dass der „Wichser“, den sie tot glaubte, gerade in einem dunklen Motelzimmer zu sich kam – nackt, ohne Geldbörse und mit seinem Gürtel um den Hals.

If the ocean was whiskey, and I was a duck,
I’d dive to the bottom and never come up.

Es war Tag 3 einer Peanut Barrell Eskapade, Tag 3 seit Danielle im Rückspiegel immer kleiner wurde und mit einem Gefühl von Gleichgültigkeit und dem bekannten Selbstmitleid machte Bill sich auf den Weg zu seinem Auto. Er würde seinen Rausch ein wenig mit Schlaf dämpfen.
Noch von Weitem war er sich klar. Er öffnete die Fahrertür und steig ein.

I’ll tune up my fiddle and rosin my bow,

And I’ll make myself welcome wherever I go.

„Wie bist du ins Auto gekommen?“

„Ich hab noch einen Schlüssel.“

„Ich hab dir nie einen gegeben.“

„Ich hab einen nachmachen lassen.“

Mal wieder eine Kleinigkeit aus dem Archiv von 2017.
Meine Protagonisten sind häufig auf der Flucht – vor sich, vor dem Leben und auf der Suche nach Veränderung, einem Sinn oder bloß einfachem Überleben. Da vereint uns einfach der Drang zur Sehnsucht.

Rediscovering William Eggleston

“I just remember being very happy during the dream”

William Eggleston

In April 2023 I had the chance to visit the C/O gallery in Berlin that at the time showed the exhibition „Mystery of the Ordinary“ by William Eggleston, which somewhat compelled me to write this article.
Eggleston’s work first appeared in my life around 2015 in a photography class in university, along with Walker Evans and Henri Cartier-Bresson. It was about the time when I had started photography myself on a more serious level and it was eye opening.

I vividly remember seeing his famous photo „Untitled, Greenwood, Mississippi, 1973“ aka “The Red Ceiling” asking myself how this could be meant as serious photography. Nonetheless it moved me. I was reminded of red light districts, unlivable living conditions and an unspoken sense of obscenity. That first impression was followed by more examples of his work and it slowly drew me in and I began to understand that photography was more than pretty portraits and astonishing landscapes and that the way I had captured my everyday life and surroundings with my simple point and shoot camera was a valid way of approaching photography. Back then I was already aware that artistic photography has a higher purpose than solely being decorative, but for me Eggleston’s view took it to a whole new level. The way his pictures are composed so lightly, the language of those flashing vibrant colors and the chosen subjects felt amusing to me, already back then.
(You can get an impression of what I am talking about here http://egglestonartfoundation.org/)

Regardless, for a few years Eggleston’s photography vanished into the back of my mind as a brief intermezzo.
Fast forward to 2023.
When I saw the ad to „Mystery of the Ordinary“ something klicked in my memory. The visual imagery felt familiar – it was Eggleston.
In the meantime I had picked up an interest in the complex culture, politics and people of the southern states of the US, especially Tennessee. Mixed in with a feeling of nostalgia due to the decades that Eggleston’s work mostly covers, it now resonates deeply within me.
The view on the banality and its details and the way he sees and observes them with such a meticulous eye leaves me being enchanted by the mundane and the beauty it holds.

Eggleston himself states his way of working as “photographic dreams”1 taking a single shot of what piques his interest and then forgetting about it afterwards.
“I just remember being very happy during the dream”²
to me feels like the perfect description of submerging into the picture you are taking – being present in the moment.
This approach of photography makes me feel so seen.
Speaking personally in my earlier years of photography I was hesitant of capturing people, so I held onto complex compositions of found scenes in my everyday life. Celebrating them as something magical and special, that is in urgent need of acknowledgement, emerging a feeling of excitement and almost childlike happiness and curiosity.

Seeing Eggleston’s photographs live and on display in the exhibition made my heart skip a beat. I could playfully get lost in them for hours, observing the little details and being in awe about every composition and diving into the unique atmosphere every image holds. Being reintroduced to his pictures after years of working on my own photography and trying to understand this medium, it speaks to me even more. They feel like home and if it was possible to physically hug a photo I surely would do that to a few of them. 



Disclaimer: Please excuse the lack of pictures in this article. But for the purpose of not getting sued, I refrained from direct quoting any pictures and photos that do not belong to me. Feel free to check out the links on the bottom of this article though for a better understanding. It’s also very rewarding.

Links:
http://egglestonartfoundation.org/
The Red Ceiling https://en.wikipedia.org/wiki/The_Red_Ceiling
1,² Imagine, The Colourful Mr Eggleston (2009) https://www.youtube.com/watch?v=3jZ_HkaTXh8 (46:26 – 46:51)

San Antonio Morning Commute – Poetry

or: conversation between you, your mother and me

The radio tells me to listen to my heart as she appears in purple hues, jungle greens and copper from the dashboard. 

The ac is a blind spot in my vision. 

1 is silver, 5 is red, 3 is green and 0 is white. 

Come on – join the joyride. 

I’m pleased to meet you, she tells me but I’m not sure if it’s typical politeness or she really means it. In an endless field of lupines she stands as the mountains behind her rise. The corduroy scratches on her thighs and everytime you catch a glimpse of her she looks like death. But she ain’t dead yet – graceful roller curls against a steely sky.

And I keep collecting father figurines and you keep collecting dust.

We exchange second hand experiences. I lived through your Sunday morning masses, through the potholes in dirt roads of the outskirts of San Antonio which I likely will only ever see through your eyes.

It’s arts and crafts day at the GI forum and I’d make you a flower crown for your first hand veteran stories.

But those wooden churches don’t have the same echo to them as their counterparts in stone and the spirits made me throw the chair through the stained glass window – again. There is a piano in the distance and I’m feeling everything at once.

Dokumentarisch Karotten fotografieren – dabei statt mittendrin 

“Sag mal, würdest du dir mein Firmenlogo tätowieren lassen?”

Das war die Frage, die meine Freundin Cora an mich stellte, als sie mit ihrer neuen Idee an mich herantrat.
Cora ist Geschäftsführerin des bio-veganen Cateringunternehmens “Klugbeisser”, für das ich in den letzten zwei Jahren schon so einiges fotografiert habe.

Als Cora mit der Idee rausrückte, dass sie andere Menschen dazu anstiften wollte, sich ihr Firmenlogo tätowieren zu lassen, war ich sofort Feuer und Flamme. Die zwei gekreuzten Karotten sind ein Sinnbild für den militanten Guerilla-Veganismus, den es meiner Meinung nach braucht, damit sich etwas ändert im Bewusstsein der Menschen.
Mit den Klugbeissern als veganes Unternehmen würde ich also nicht nur eine gute Idee unterstützen, sondern das ganze auch noch mit meinen Werten verbinden.
Dieses Event fotografisch begleiten zu dürfen, war also ein besonderes Vergnügen. 


Oft sehe ich mich mit der Kamera eher als eine Beobachterin. Sie ist ein Werkzeug, das es mir erlaubt, uneingeschränkt eine Situation oder einen Menschen zu betrachten. In sozialen Kontexten ist sie manchmal ein Abstandshalter, aber gleichzeitig auch ein Kommunikationsmittel, das eine Brücke zwischen mir und meinem Gesprächspartner schlägt.

Beim dokumentarischen Fotografieren liebe ich dieses exponierte Beobachten besonders. Mir ist schon öfter mitgeteilt worden, dass ich in diesen Momenten beim Fotografieren irgendwie verschwinde. Wenn ich unsichtbar bin, kann ich am besten arbeiten. Dann fühlt sich niemand beobachtet oder gar gestört und alle sind irgendwie sie selber.
Ein weiterer Thrill am Dokumentarischen ist die Spontanität, die mir als Fotografin abverlangt wird. Wenn ich die Location nicht kenne, mich auf das vorhandene Licht verlassen muss und am besten noch wenig bis gar keinen Platz habe, sehe ich das als Ansporn, meine Grenzen auszuloten. Ich kann nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Und das ist gut so! Würde ja sonst langweilig werden.

Ab unter die Nadel!

Zurück zum Tattootermin. An einem Wochenende sammelten sich in einem Tattoostudio in Linden eine handvoll Freiwillige. Hier war ich also nicht nur als Fotografin anwesend, sondern auch in den Prozess selbst involviert. Dass Tätowierer mit Tageslichtlampen arbeiten, war mir neu, ist im Nachhinein aber völlig logisch. Gut für mich und den Weißabgleich. 

Die Karotten sollten mein zweites Tattoo werden. Ob ich sie später als “Jugendsünde” verbuche? – Ziemlich unwahrscheinlich.

Veganismus – in erster Linie ökologisch und dann ethisch – halte ich nämlich für grundlegend relevant und unterstützenswert und wird sicherlich auch in den kommenden Phasen meines Lebens eine Rolle spielen. Und letztendlich ist es nur ein Körper, der gerne mit Spuren und Zeichen seiner Lebensphasen geschmückt werden darf. 

Ich bin jedenfalls stolz auf meine zwei Guerilla-Möhren und ich bin froh über jeden Menschen, der es wagt, ein bisschen was anders zu machen als die anderen.
Für mehr “verrückte” Einfälle und Ideen! Lass mich gerne mit der Kamera dabei sein.  <3

That’s what jazz is to me – 2023 – wir gehen rein!

Eigentlich wollte ich einen Jahresabschluss öffentlich machen. Wie es sich gehört, auf insta mein 2022 Revue passieren lassen. Meine Highlights und Erfolge feiern und noch einmal mit allen meine Lieblingsbilder teilen und einen Blogpost darüber schreiben, was 2023 hoffentlich für mich bereithält und wie dankbar ich bin, für alles, was mir widerfahren ist in den vergangenen 12 Monaten. Die Idee hat mich vor den Weihnachtstagen ereilt. Umgesetzt  habe ich davon? Nichts. Ich war nicht mal in der Dunkelkammer, wie ich groß angekündigt hatte vor den Feiertagen (nagut, einen Abzug habe ich gemacht). 

Es hat sich nicht richtig angefühlt.

Seit November bin ich selbständig als freischaffende Künstlerin und Fotografin – ich mache das jetzt also beruflich – so richtig und offiziell. Der Weg dahin hat einige Jahre in Anspruch genommen und so richtig bin ich immernoch nicht in meiner Rolle angekommen.
Vor allem sehe ich mich eben mehr als Künstlerin, denn als Geschäftsfrau. Viele Kolleg*innen vor mir haben schon ein Lied davon gesungen, dass sie plötzlich nicht mehr nur noch fotografieren, sondern Algorithmen füttern und jede öffentliche Äußerung mit einem Call to Action enden soll. Like, wenn du das auch so siehst! Haha…

Dabei will ich doch eigentlich nur fotografieren. 

Statt mich jetzt aber zu verbiegen und irgendwie krampfig Social Media mit halbgaren Postings zu befüllen, die eh nur wenig Relevanz haben und sich nicht mit dem decken wofür ich stehe, mache ich einfach das, was ich und jeder tun sollte – ehrlich mit mir und meinen Mitmenschen sein.
2014 ist mein erster Blog online gegangen. Dort hab ich künstlerische Arbeiten aus dem Studium und meine ersten fotografischen analogen Gehversuche geteilt. Da die Kombination aus meinen Bildern und Texten bei meinen Mitmenschen in den vergangenen Jahren recht gut ankam, möchte ich das Konzept jetzt gerne weiterführen und meine Gedanken zu Fotografie, Kunst, Gesellschaft und Inspirationen mit euch teilen. Genug geschwafelt – wie gehts jetzt also weiter? 

2023 will ich noch mehr Menschen fotografieren. Ich will tolle Persönlichkeiten kennenlernen, Charaktere zeigen und mir mit ihnen etwas absolut einzigartiges ausdenken. Ich will Konventionen hinterfragen und für meine Mitmenschen da sein und sie ernst nehmen und genauso inszenieren. Ich will Verrücktes und Romantisches und Verspieltes und Ernstes und Komisches zeigen. Ich will Bilder machen, die Bilder sind und ihnen den Rahmen geben, den sie verdienen und nicht innerhalb von Sekundenbruchteilen über einen Bildschirm gewischt werden, um dann im digitalen Nirvana zu verschwinden. Ich fotografiere für die Menschen, die mich beauftragen und für meinen Seelenfrieden und nicht, um Content zu produzieren und den Algorithmus zu bedienen. Ich möchte von und mit Kolleg*innen aus allen Sparten inspiriert sein und inspirieren, weiter wachsen, lernen und verstehen.   
Ich freue mich drauf – am liebsten mit dir!

Ohne Schnack jetzt: wenn du Lust auf ein Shooting hast, ich dich oder deine Veranstaltung fotografisch begleiten soll oder du mit mir gemeinsam ein Projekt umsetzen magst, dann schreib mir!